Daniel Dorsch

Villa Pii Volume 3

Chuo-Ku, Sapporo, Hokkaido
Chuo-Ku, Sapporo, Hokkaido

Bilder aus Paris

Peter und ich, wir sitzen in der Villa Pii und schauen Nachrichten. Angst Betroffenheit überall. Mir geht ein Vortrag von Michael Lüders über den Nahen Osten durch den Kopf. Er spricht dort über die Entwicklung von der Einsetzung des Schaar im Iran bis heute…

Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet, Michael Lüners, SWR

Alles Ursache und Wirkung, darf man das jetzt noch so sagen? Ich schreibe die Angefangenen Artikel noch zu Ende. Bald verlasse ich eh wieder die merkwürdig homogene, japanische Welt. Hier ist alles ein bisschen gleicher … und unfreier … sicherer … konservativer, eine Insel halt, sagt Peter.

Traditionelles Haus in Niigita
Traditionelles Haus in Niigita

Akita

Ich erreiche Akita nach zehn Uhr. Es regnet nicht mehr. Dichter Nebel zieht durch die Strassen. Ich bin müde und nehme das erste Hotel am Bahnhof. Es gibt einen JR Pass Rabat, dafür kein Frühstück. Auf dem Zimmer logge ich meinen Computer ins Internet ein und schaue wo ich bin. Auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten finde ich im Netz einen Schnäppchenmarkt der bis drei Uhr nachts geöffnet hat. Ich werde wieder munter und gehe los.

Erst kommen die, an Bahnöfen üblichen Einkaufspassagen. Dann gelange ich an einen Fluss, an dessen Ufern Bunte Lichter in alten Häusern brennen. Es sieht sehr romantisch aus. Auf dem Rückweg werden ich die vom Ufer abgewandte, also die Vorderseite der Häuserzeile wählen und feststellen das es das Rotlichtviertel von Akita ist.

Ich laufe am Fluss entlang, überquere Ihn und laufe Stadtauswärts durch stille nächtliche Wohnviertel. Ich studiere die in meinem Smartphone gespeicherte Karte. Ich korrigiere meinem Kurs und komme an Tempeln und Friedhöfen vorbei. Das Szenario erinnert an “The Fogg” Nebel des Grauens. Hinter dem Friedhof komme ich an einer riesige Hochgarage vorbei und betrete den Schnäppchenmarkt.

Markt

Allgemein gesagt sind “die Unterschiede” nicht gross. Menschen sind Menschen und Städte sind Städte und Kaufhallen sind Kaufhallen u.s.w. Trotzdem kommt mir Bekanntes oft fremd vor, wie hier der Schnäppchenmarkt von Akita nachts um drei. Es ist die Grösse und Masse an Produkten, die Menschenleere. Ich fahre mit der Rolltreppe in die zweite Etage und schlendere durch die Kleiderabteilung zur Baumarktabteilung vorbei ein Regalen voller Ray Bean Brillen, Casio Uhren, Nike Jogginghosen, Ferngesteuerten Spielzeugen, Schusswaffen-Imitaten, Manga Artikel jeglicher Art, Kelvin Klein Unterwäsche u.s.w.

Schäppchenmarkt im Nebel
Schäppchenmarkt im Nebel

Ich sehe zwei Nicht-Japaner, also Ausländer die dort einkaufen. Es ist das dritte mal in drei Wochen das ich Ausländer sehe. Nach dem ich mir fünf Regale iPhone Hüllen angeschaut habe, fahre ich in die Lebensmittelabteilung. Hier gibt es wieder Menschen. Ich kaufe ein Bier. Vor den Kassen gibt es sogar Schlangen. Mit meinem Bier darf ich vorgehen.

Ich laufe zurück, an den Friedhöfen und Tempeln vorbei, durch das Rotlichtviertel zurück um Hotel. Mit meinem Bier in der Hand ernte ich vorwurfsvolle Blicke. Ganz anders als in Berlin.

Local Train
Local Train

Ein Loblied auf die Japanische Eisenbahn

Die JR ist einzigartig in der Welt und das Reisen mit der Bahn in Japan ein echtes Erlebnis. Ich hatte das Gefühl immer mit einem Transportkörper unterwegs zu sein, obwohl die Züge der JR sehr unterschiedlich sind. Es gibt Züge die seit den 50iger Jahren in Betrieb sind. Die Schienen haben verschieden Spurbreiten und spezielle Zusätze, je nach Typ des Zuges der auf ihnen fährt. Es gibt High-Tec und Nostalgie nebeneinander, in einem perfekt aufeinander abgestimmten System.

Die Local Train’s, vergleichbar mit der S- Bahn in Berlin fahren durch das ganze Land Sie halten an jeder Station. Auf den selben Strecken fahren die Rapid Train’s die seltner anhalten. Die Ldt. Express Train’s. fahren schneller und verbinden die größeren Orte miteinander. Sie sind vergleichbar mit unseren Regionalbahnen.

Die Express Züge verbinden die Städte miteinander, ähnlich wie bei uns der ICE. Dann gibt es die Super Express Züge. Sie fahren in drei Kategorien: halten an allen Großstädten, halten an einigen Großstädten und halten nur an Präfektur Hauptstädten.

Shinkansen
Shinkansen

Alle Züge und strecken haben Namen und Nummern die meist auch in englisch auf die Fahrkarten bzw. Reservierungskarten gedruckt sind. Nozomi Express 403 = Traum Express, Sakura Line = Kirschbaum Linie, Hikari Express 359 = Licht Express. Es ist leicht sich zu orientieren.

Tunnel nach Hokkaido

In Sapporo gegen 12:00 Uhr habe ich keine Lust mehr zu reisen und möchte zurück in die Villa Pii, eine Strecke von 1317 km. Hokkaido verlasse ich mit einem Expresszug. Er passiert den Tunnel, der die Insel mit dem Festland verbindet. Dann steige ich um in den Shinkansen, der nach vier Stunden Tokyo erreicht.

Zug Ticket/Reservierung
Zug Ticket/Reservierung

Die Fahrkartenkontrolle im Zug ist eine kleine Show. Der Schaffner betritt das Abteil, nimmt seinen Hut ab, verbeugt sich und sagt: “Entschuldigung für die Störung, vielen Dank das Sie unseren Zug genommen haben und nun werde ich die Fahrkarten kontrollieren.” Dan setzt er den Hut wieder auf und nimmt von jedem Passagier die Fahrkarte und Reservierungskarte, sortiert sie und stempelt sie mit einem kleinen geschickten Schwung.

Dann werden alle Karten zusammengeschoben und dem Fahrgast mit einer Verbeugung und beiden Händen überreicht, und zwar so, daß diese lesbar – also nicht auf dem Kopf stehen. Ist er am Ende des Wagens angelangt verbeugt er sich noch einmal und sagt: “Entschuldigen sie das ich sie gestört habe und danke für ihre Kooperation.” und geht in den nächsten Wagen.

Muss er aus irgend einem Grund nochmal zurück verbeugt er sich wieder, beim betreten und verlassen des Wagens. Kontrolliert er den letzten Wagen verlässt er ihn trotzdem mit einer kurzen Verbeugung um ihn direkt danach wieder mit einer Verbeugung zu betreten. Dem selben Ritual sind die Damen mit dem Imbisswagen unterworfen, die unermüdlich den Zug durchwandern. Verbeugen, entschuldigen, verbeugen, entschuldigen usw.

Von Tokyo fahre ich weiter mit dem Boso Express. Als ich den Bahnsteig erreiche wird er gerade von der Putzkolonne betreten. Es werden die Fensterbänke geputzt, die Sitze in Fahrtrichtung gedreht, die Klapptische geöffnet und gereinigt und die Zeitungen in den Vordersitzen aufgefüllt. Dann dürfen die Passagiere, die schon in Reih und Glied vor den Türen stehen, in den Zug hinein.

Bis Katsuura fährt der Zug als Express. Danach wechselt er seinen Status in Local Train. Ich muss nicht noch einmal umsteigen und kann bis an meinen Zielort fahren. Ab Katsuura werden im Zug die Ansagen eingestellt und die englischen Anzeigen abgeschaltet. Ich verpasse meine Station und mache noch einen schönen Nachtspaziergang.

Chiyoda, Präfektur Tokio, Japan

Toiletten

Toiletten sind auf Reisen ein wichtiges Thema. Wenn mann das erste mal in Asien reist, lernt man z.B. das “hockende Geschäft”. Auch lernt man in Regionen, wo kein Toilettenpapier zubekommen ist, den kleinen Wasserhahn, neben dem Toiletten Einlass am Boden zu schätzen. 

In Japan lässt sich zum Thema Toiletten nur Gutes sagen. Man kommt regelrecht ins Schwärmen. Es gibt überall Saubere Klos. In S-Bahnen, Strassenunterführungen, Kaufhäusern u.s.w. auf Bahnhöfen oft mit Entfernungsangaben zum nächsten WC. 

Beheizte  Klobrillen sind Standart. Oft lässt sich die Temperatur exakt einstellen. Auch Wasserdüsen zum waschen von unten mit speziellen Wasserdüsen für Damen und Herren. Natürlich spülen alle WC’s nach der Benutzung selbsttätig und reinigen sich. Toiletten sind oft in der Lage, die Art des Geschäftes zu erkennen und die Spülung über spezielle Wasserdüsen anzupassen.

Meist gibt es Haken für Regenschirme, Aktentaschenablagen oder ausklappbare Kindersitze.
Ich sah eine Toilette die beim Öffnen der Toilettentür selbstständig den Klodeckel hob. Der Innenraum der Kloschlüssel wurde dann mit blauen LED’s ausgeleuchtet. So konnte ich mich von der hygienischen Reinheit der Toilette überzeugen. 

Urbanes Stadtgebiet
Urbanes Stadtgebiet

Zum Schluss

Wenn ich wieder in Berlin bin werde ich beachten: 1. Spülen nach dem Toilettengang nicht vergessen 2. Die Autos fahren wieder rechts und als Fussgänger kann ich wieder laufen, wo und wie ich will, denn es gibt wieder Platz und kaum noch Menschen.

Ubara
Sayōnara Ubara
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